Ein Gesetzentwurf zur Kryptoregulierung wurde dem polnischen Sejm erneut vorgelegt, nachdem Präsident Karol Nawrocki die vorherige Fassung abgelehnt hatte. Die Wiedereinbringung des Gesetzentwurfs wurde von der Partei Polen 2050, einem Teil der Regierungskoalition, initiiert. Obwohl die Verfasser die neue Fassung als „verbessert“ bezeichneten, erklärte Regierungssprecher Adam Szlapka, dass „kein einziges Komma“ im Text geändert worden sei.
Hauptziele des Gesetzentwurfs
Der Gesetzentwurf wiederholt im Wesentlichen den vorherigen Vorschlag und zielt darauf ab, die Finanzaufsichtsbehörde (KNF) als Hauptregulierungsbehörde des polnischen Kryptomarktes zu stärken. Dies soll für klarere Regeln und Standards für die Marktteilnehmer sorgen.
Kritik und Argumente der Parteien
Der polnische Politiker Tomasz Mentzen kritisierte die Initiative und bezeichnete sie als Beispiel für Überregulierung. Er verglich das Dokument mit weniger strengen Gesetzen in anderen EU-Ländern wie Ungarn oder Rumänien. Auf Twitter äußerte er seine Unzufriedenheit über die wiederholte Verabschiedung desselben Gesetzentwurfs durch die Regierung und fügte hinzu, dies zeige, dass die Meinungen von Experten und Kritikern nicht ausreichend berücksichtigt würden.
„Die Regierung hat erneut denselben Gesetzentwurf zu Krypto-Assets verabschiedet“, schrieb Mentzen.
Er spottete außerdem über die Behauptung von Premierminister Tusk, das vorherige Veto des Präsidenten sei auf den Einfluss der „russischen Mafia“ zurückzuführen.
Erwartungen der Regierung
Die Regierung hofft, dass Präsident Nawrocki den Gesetzentwurf dieses Mal nicht blockieren wird. Laut Adam Szlapka habe der Präsident nach einer vertraulichen Unterrichtung im Parlament ein umfassendes Bild der Auswirkungen des Dokuments auf die nationale Sicherheit erhalten.
Expertenmeinung
Der Wirtschaftswissenschaftler Krzysztof Piech stellte die Notwendigkeit eines separaten nationalen Gesetzes in Frage, angesichts des bevorstehenden Inkrafttretens der MiCA (Marktregulierung für Kryptowährungen), die den Schutz der Nutzer in der gesamten Europäischen Union gewährleisten soll.
>>>> „Es ist nicht die Schuld des Präsidenten, dass so viele Menschen Geld verlieren, sondern dass Betrüger nicht verfolgt werden. Dieses Gesetz war unnötig. Ab dem 1. Juli 2026 wird jeder in der EU – auch die Polen – durch die MiCA-Verordnung geschützt sein“, bemerkte Piech. <<<<
Fazit
Die erneute Prüfung des Kryptowährungsgesetzes in Polen sorgt daher für erhebliche Kontroversen und Kritik. Während die Regierung klare Regeln für den Kryptomarkt etablieren will, äußern Experten und Politiker Zweifel an der Notwendigkeit einer solchen Regulierung, insbesondere angesichts der bevorstehenden Änderungen auf EU-Ebene.