
Die globale Führungsrolle der USA im Bereich digitaler Finanzen ist durch regulatorische Beschränkungen im Inland bedroht. Faryar Shirzad, Leiterin der Abteilung für politische Angelegenheiten bei der Kryptobörse Coinbase, äußerte sich besorgt darüber, dass die harte Haltung der US-Gesetzgeber gegenüber Stablecoins zu einem geopolitischen Verlust zugunsten Chinas führen könnte.
Der GENIUS Act vs. der digitale Yuan
Das Haupthindernis in den USA ist der GENIUS Act. Nach dessen derzeitigen Bestimmungen ist es Emittenten von US-Stablecoins untersagt, Zinsen zu erheben oder Belohnungen an die Inhaber auszuzahlen. Peking verfolgt hingegen den gegenteiligen Ansatz.
Die Chinesische Volksbank gab offiziell bekannt, dass Geschäftsbanken im Land ab dem 1. Januar 2026 Zinsen auf Einlagen in digitalem Yuan (e-CNY) zahlen dürfen. Diese Entscheidung verändert den Status des e-CNY grundlegend: Aus einem einfachen Zahlungsmittel wird ein vollwertiges Anlage- und Sparinstrument. Laut Shirzad macht die Renditeentwicklung der CBDC die chinesische Digitalwährung auf dem globalen Markt attraktiver als die „eingefrorenen“ Renditen amerikanischer Vermögenswerte.
Risiken für die Dollar-Dominanz
Ein Vertreter von Coinbase betonte, dass die Tokenisierung von Vermögenswerten die unausweichliche Zukunft der Weltwirtschaft sei. Sollten die USA die Attraktivität ihrer Stablecoins weiterhin künstlich einschränken, würden Investoren und Nutzer auf ausländische CBDCs und Stablecoins ausweichen, die außerhalb der US-amerikanischen Gerichtsbarkeit emittiert werden.
Shirzad ist der Ansicht, dass die aktuelle Senatspolitik zwar die Interessen etablierter Akteure im Finanzsektor schützt, gleichzeitig aber die Position des Dollars als primäre Rechnungseinheit im digitalen Raum untergräbt. Seiner Meinung nach sollten sich die Gesetzgeber auf die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit nationaler Instrumente konzentrieren, anstatt Barrieren zu errichten.
Konsolidierung der Kryptoindustrie vs. Beschränkungen
Die Position von Coinbase findet breite Unterstützung in der Branche. Die Blockchain Association, die über 125 Unternehmen vertritt, fordert den Kongress aktiv auf, das Verbot von Zinszahlungen auf Stablecoins zu überdenken.
Die Vertreter der Association argumentieren, dass Stablecoins langfristig wettbewerbsunfähig werden, wenn ihnen die Möglichkeit genommen wird, Einkommen für ihre Nutzer zu generieren. Da die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt (China) Bankzinsen in ihre digitale Währung integriert, riskieren amerikanische Regulierungsbehörden, die USA technologisch ins Hintertreffen geraten zu lassen. Die Debatte um den GENIUS Act Ende 2025 entwickelt sich zu einem entscheidenden Moment für die Zukunft des Dollars im Zeitalter der Tokenisierung.



