Binance, eine der weltweit größten Kryptowährungsbörsen, hat ihr Interesse am Handel mit tokenisierten Aktien durch die Erweiterung ihrer Programmierschnittstelle (API) um neue Funktionen bekräftigt. Diese Änderungen deuten auf Vorbereitungen für den Start des Aktienhandels hin, trotz der enttäuschenden Erfahrungen der Börse im Jahr 2021.
Neue API-Funktionen
Am 11. Dezember 2025 aktualisierte Binance sein API-Protokoll und fügte drei neue Endpunkte hinzu. Einer davon, dessen URL „stock/contract“ enthält, ermöglicht es Nutzern, eine „TradFi-Perps-Vereinbarung“ zu unterzeichnen. Die beiden anderen Endpunkte bieten die Möglichkeit, Handelssitzungspläne für die kommende Woche abzurufen und Informationen zur aktuellen Handelssitzung zu erhalten.
Diese Änderungen lassen darauf schließen, dass Binance den Handel mit Aktien-Perpetual-Futures plant. Die bestehenden Endpunkte für den Handelsplan deuten zudem darauf hin, dass der Handel – wie im traditionellen Finanzwesen – sitzungsbasiert und nicht, wie in der Kryptowährungsbranche üblich, rund um die Uhr verfügbar sein wird.
Erfahrungen 2021
Es sei daran erinnert, dass Binance bereits 2021 versucht hat, in den Markt für tokenisierte Aktien einzusteigen. Dieses Vorhaben erwies sich jedoch als kurzlebig: Die Börse stellte den Verkauf nur wenige Monate nach dem Start Ende April ein, nachdem das Projekt die Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden auf sich gezogen hatte. Diese Erfahrung diente dem Unternehmen vermutlich als Lehre, und es geht nun vorsichtiger mit der Einführung neuer Produkte um.
Tokenisierte Aktien werden zum Mainstream
Binances Initiative folgt einer Reihe ähnlicher Bemühungen sowohl traditioneller Finanzinstitute als auch Akteure im Kryptowährungsbereich. Die Tokenisierung von Aktien rückt allmählich von einer Randerscheinung in den Fokus. So ist beispielsweise bekannt geworden, dass die führende US-amerikanische Kryptobörse Coinbase in Kürze ihr Projekt für tokenisierte Aktien und einen Prognosemarkt vorstellen wird.
Regulatorische Herausforderungen
Allerdings sind nicht alle Marktteilnehmer von der Entwicklung der Aktientokenisierung begeistert. Im Oktober forderte Ondo Finance, ein auf die Tokenisierung traditioneller Finanzanlagen spezialisiertes Unternehmen, die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) auf, die Pläne der Nasdaq zum Handel mit tokenisierten Wertpapieren zu bremsen. In dem Schreiben an die US-Regulierungsbehörde wurden Fragen zu den rechtlichen und regulatorischen Aspekten der Tokenisierung aufgeworfen und die Notwendigkeit eines sorgfältigen Vorgehens in diesem neuen Bereich unterstrichen.
Fazit
Binance versucht somit erneut, sich im schnell wachsenden Segment der tokenisierten Aktien zu positionieren. Angesichts der bisherigen Erfahrungen und der aktuellen regulatorischen Herausforderungen wird die Börse voraussichtlich vorsichtiger vorgehen, um dieselben Fehler nicht zu wiederholen. Gleichzeitig könnte das wachsende Interesse anderer Marktteilnehmer an der Aktientokenisierung zur Entwicklung neuer Standards und Praktiken in diesem Bereich beitragen. In den kommenden Jahren könnten wir bedeutende Veränderungen im Handel und in der Wahrnehmung von Aktien im digitalen Raum erleben.